Geburtstage

Was steht an? Sie werden dreißig? Oder vierzig? Oder fünfzig? Oder sechzig? Sie wollen nicht darüber reden? Ok. Auch das kann ich mittlerweile verstehen. 

An meinem Bild und an meiner musikalischen Biografie sehen Sie ja schon so ungefähr, wie alt ich bin. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht auch auf jüngere oder ältere Jubiliare einstellen kann. Ganz im Gegenteil. Durch meine eigene Reife (musikalisch betrachtet) kenne ich mich bestens aus. Außerdem bin ich natürlich auch fit in aktueller Musik. Ich ziehe allerdings gewisse Grenzen: Für einen Abi-Ball bin ich definitiv zu alt. Und bei einem 70. Geburtstag sollten wir vorher auch genau sprechen. Da kann ich goldrichtig sein, aber auch völlig fehl am Platz. 

Alter ist relativ, Musik auch

Nun könnte man ja auch meinen, ​bestimmte Altersgruppen hören eine bestimmte Musik. Nein, stimmt nicht. Es gibt 50. oder 60. Geburtstage, bei denen ich die Anweisung bekomme, keine "ollen Kamellen" zu spielen. Man sei ja schließlich nicht alt. Nö. Trotzdem ist die alte Musik ja nichts Schlechtes. Und so wünschen sich andere in der Altersgruppe gerade die Musik von früher. Weil sie eben jede Strophe mitsingen können und eine Geschichte mit jedem Titel verbinden. Und weil die Gäste in ihrer Vielfalt eben so individuell sind, ist es für mich spannend zu sehen, wohin so ein Abend schließlich tendiert. An strikte Vorgaben halte ich mich natürlich. Wenn jemand "Sing Halleluja" einfach nicht mehr hören kann, dann ist das völlig in Ordnung. Kommen aber die Gäste mit genau diesem Wunsch, dann muss man eben am Abend schauen, ob das Verbot durchgezogen werden soll.

"Wir sind schon fünfzig, da geht das bestimmt nicht so lang!" Pustekuchen. Wenn die richtige Stimmung da ist, ist das Alter ruckzuck vergessen. Abgesehen davon natürlich, dass fünfzig oder sechzig heute kein Alter mehr ist und als Ausrede für faule Füße bei mir nicht durchgeht. Daher gilt dasselbe für sechzigste Geburtstage. 

Dieses Foto entstand auf einer Veranstaltung während einer der immer wieder so wunderschönen Schiffsfahrten. Es war ein Geburtstag. Der besondere Wunsch waren Seemannslieder für die erste Stunde. Die Gäste kamen damit in Övelgönne an Bord, genossen den Ausblick, das Essen und feierten später ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden.

Neulich auf einem fünfzigsten Geburtstag gab es vorher keine musikalische Vorgaben. "Mach mal, das wird schon passen." Es wurde rockig. Und zwar so richtig. Durch die Sechziger, Siebziger, Achtziger, Neunziger bis heute. Bei den Wünschen kam ich so langsam schon ins Schleudern. "Dauert" war meine Lieblingsansage. Sie wünschten sich alles, Hauptsache Rock. Einige Luftgitarren gingen dabei zu Bruch. Das ist überhaupt einer meiner Lieblingsmomente, wenn sich die Herren die Jacketts ausziehen und bei AC/DC, Ram Jam und Golden Earring ins Schwitzen kommen.

Eine anderer Fünfzigster neulich wurde zu einer Knotentanz-Party mit viel altem Discosound. Ganz andere Musik, ganz anderes Publikum, eine genauso gut gefüllte Tanzfläche.​ Und genauso viel Spaß, nur anders.

Schön ist auch, dass sich der Musikgeschmack bei vielen Menschen erweitert hat. Die Älteren tanzen heute auch zu Robin Thicke und Jan Delay, die Jüngeren flippen bei Rama Lama Ding Dong und Chubby Checker aus. Wenn wir es wollen, können wir bei fast allem Spaß haben.​

​Hintergrundmusik

Bevor die Party startet, gibt es ja noch den Empfang und das Essen. In den meisten Fällen bin ich dann schon da und lege los. Nur manchmal komme ich erst später zur Tanzeröffnung. Das ist Absprache. Wenn ich allerdings vorher aufbauen muss und der Weg nach Hause zu weit ist, berechne ich die Zeit trotzdem. Und dann kann ich im Prinzip auch gleich beginnen.

Die Musik ist hier auch wieder abhängig von der Gästestruktur. Und ich bin abhängig davon, dass mal hier und da ein Fuß wippt oder eine Hüfte sich wiegt und ich daran sehe, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Klassiker, Funk & Soul, Jazz, Easy Listening oder leichte elektronische Sounds wechseln sich da ab. Letztendlich ist da etwas für jeden dabei. Und es geht auch gar nicht darum, mit voller Inbrunst mitzusingen sondern darum, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Je weiter der Abend voran schreitet, desto höher geht die Lautstärke und desto schneller wird der Beat. Es gibt eine bestimmte Musikrichtung, die mir in diesem Zeitraum besonders gut gefällt. Club des Belugas und Brenda Boykin sind da herausragende Vertreter. Die wichtigen Hits kommen, wenn es losgeht. Und das tut es, wenn die Gastgeber die Tanzfläche betreten oder doch der richtige Hit kommt. Da ist immer etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Auf jeden Fall geht es immer irgendwann los. Immer.

Wünsche

An anderer Stelle habe ich es schon geschrieben: Sie und ihre Gäste bestimmen die Musik. Meine Stärke besteht darin, die Schwingungen aufzufangen und sie in Musik umzusetzen. Wünsche sind dabei immer willkommen. Daraus ergibt sich ein faszinierendes Miteinander.